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Was ist der orthodoxe Glaube?

Was ist der orthodoxe Glaube?

Orthodoxie – aus dem Griechischen orthodoxia, Rechtgläubigkeit – bewahrt unverändert den Kern der Lehre Christi. Die von Christus selbst auserwählten Apostel gründeten die ersten christlichen Kirchen. Die apostolische Nachfolge, Treue der Überlieferung und die Beschlüsse der sieben ökumenischen Konzilien, die die Glaubensinhalte im und durch den Heiligen Geist erklärten und erläuterten, sorgten für unverfälschte Weitergabe der wahren christlichen Lehre.

Die Russische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats geht auf die kirchliche Tradition des Oströmischen Reiches zurück.

Das Herz unserer Tradition schlägt in der Göttlichen Liturgie, jenem wichtigsten Gottesdienst, dessen Gebete seit den ältesten Zeiten ausgefeilte präzise dogmatische Formeln bewahrt haben. Das Kirchenslawische – die liturgische Sprache im ostslawischen Raum – wurde von den Slawenaposteln Kyrill und Method als sakrale Sprache für die Übersetzung biblischer und liturgischer Texte entworfen. Nie in profanem Gebrauch gewesen und sich auf sprachliche Kategorien klassischer griechischer Philosophie stützend, erklingt die kirchenslawische Sprache bis jetzt während der Gottesdienste und bringt den Gläubigen die Glaubensinhalte näher.

Eng verflochten mit unserem Glauben ist die Ikonenmalerei. Ikonen dienen im Kirchenraum nicht zur ästhetischen Wahrnehmung oder Ästhetisierung des Sakralgebäudes; sie vermitteln vielmehr dogmatische Sachverhalte.

Das monastische Erbe prägt unsere Tradition des Gebets und des Fastens und führt uns Vergöttlichung als Ziel des christlichen Lebens vor.

Jesus Christus — Gott und Mensch

Jesus Christus — Gott und Mensch

Im Mittelpunkt des orthodoxen Glaubens steht Jesus Christus — wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Jesus Christus, die zweite Hypostase Gottes, ist tatsächlich Mensch geworden, um die Menschheit zu retten. Er ist nicht nur ein weiser Lehrer oder moralisches Vorbild, sondern der fleischgewordene Sohn Gottes, der in die Welt kam, um die Menschheit zu erlösen. „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30) — in Christus begegnet uns Gott selbst.

Im Laufe der Zeit, als sich der orthodoxe Glaube ausbreitete, tauchten Fragen auf, wie man die Person Christi richtig verstehen soll. Antworten darauf boten die Ökumenischen Konzilien. Das 4. Ökumenische Konzil von Chalkedon (451) hat die Lehre von den zwei Naturen Christi verbindlich formuliert: In der einen Person Jesu Christi sind die göttliche und die menschliche Natur „unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert“ vereint. Das 6. Ökumenische Konzil bestätigte, dass Christus zwei natürliche Willen und Energien besitzt, wobei der menschliche Wille dem göttlichen freiwillig folgt.

Christus hat freiwillig für uns gelitten und ist am Kreuz gestorben — nicht weil er dazu gezwungen wurde, sondern aus Liebe zu den Menschen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod besiegt und uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet. Die Erlösung ist das Herzstück des christlichen Glaubens: Gott selbst wird Mensch, um den Menschen zu Gott zu erheben.

Moral und geistige Praktiken vs. Leben in Christus

Moral und geistige Praktiken vs. Leben in Christus

Viele Menschen fragen sich: Genügt es nicht, einfach ein guter Mensch zu sein, um Gott im Herzen zu haben und gerettet zu werden? Die orthodoxe Antwort ist klar: Moral ist wichtig, aber sie allein führt nicht zum Heil. Moral und Sittlichkeit regeln das Zusammenleben in der Gesellschaft. Das Leben in Christus hingegen ist die lebendige Beziehung des Menschen zu Gott, die über das Irdische hinausweist.

Das sittliche Ideal des Christen ist nicht ein abstraktes Regelwerk, sondern eine Person: der Gottmensch Jesus Christus selbst. Die „Goldene Regel“ — „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen“ (Mt 7,12) — ist Ausdruck dieser lebendigen Nachfolge. Die orthodoxe Reflexion im Neuen Testament und in den Schriftwerken der Heiligen zeigt uns: Kein Mensch ist ohne Sünde — „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst“ (1 Joh 1,8).

Je näher ein Mensch Gott kommt, desto tiefer erkennt er seine eigene Unvollkommenheit. Dies soll uns nicht entmutigen oder verzweifeln lassen. Durch die Gnade Gottes erheben wir uns über unseren Zustand der Sündigkeit und Unvollkommenheit. Die Kirche bietet in ihren Sakramenten — besonders in der Beichte — die Mittel, durch die Gott den Menschen erneuert und verwandelt. Die Eucharistie, das größte Sakrament der Kirche, in der die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn vollzogen wird, bildet die lebendige Mitte des Glaubenslebens. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten gehören dabei untrennbar zusammen: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht“ (1 Joh 4,20).

Überlieferung und die Heilige Schrift

Überlieferung und die Heilige Schrift

Der orthodoxe Glaube ruht auf zwei Säulen: der Heiligen Überlieferung und der Heiligen Schrift. Die Bibel — das Wort Gottes — umfasst 77 Bücher des Alten und Neuen Testaments. Doch die Schrift entstand nicht im luftleeren Raum: Sie wurde in der Kirche geschrieben, von der Kirche kanonisiert und wird in der Kirche ausgelegt.

Die Heilige Überlieferung ist die älteste Form der Bewahrung göttlicher Offenbarung — sie ging der Niederschrift der biblischen Bücher voraus. Christus lehrte die Apostel durch Wort, Tat und Vorbild; erst später wurde ein Teil dieses Wissens schriftlich festgehalten. Die Apostel selbst mahnten: „Steht fest und haltet an den Überlieferungen, in denen ihr unterwiesen worden seid“ (2 Thess 2,15).

Die Dogmen der Kirche — formuliert auf den Ökumenischen Konzilien — sind keine Fesseln des Verstandes, sondern Leitplanken, die den Glauben vor Verfälschung schützen. Sie haben keinen neuen Glauben geschaffen, sondern dem bestehenden eine präzise Sprache gegeben. Ohne Dogmen verliert die christliche Moral ihr Fundament — so wie Gesetze ihren Grund verlieren, wenn die Verfassung missachtet wird.

Der Weg des orthodoxen Christen

Der Weg des orthodoxen Christen

Orthodoxer Glaube ist kein theoretisches Wissen, sondern ein Weg — ein tägliches Leben in Gebet, Fasten, Nächstenliebe und der Teilnahme an den Sakramenten der Kirche. Während der Göttlichen Liturgie feiert die Gemeinde die Eucharistie, die Vereinigung mit Christus selbst. Das Gebet begleitet den Gläubigen morgens und abends, und das Fasten stärkt den Willen auf dem Weg zu Gott.

Die orthodoxe Kirche kennt sieben heilige Sakramente (Mysterien): Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Beichte, Priesterweihe, Ehe und Krankensalbung. In diesen Mysterien wirkt die Gnade Gottes unmittelbar im Leben der Gläubigen. Die Kirche nennt man Leib Christi — sie ist weniger eine menschliche Organisation als ein göttlich-menschlicher Organismus, in dem jedes Glied seinen Platz hat.

Auf den folgenden Seiten können Sie tiefer in einzelne Bereiche des orthodoxen Glaubens eintauchen: von der Glaubenslehre über die Heiligen und die Bedeutung der Ikonen bis hin zu Literaturempfehlungen für Ihr weiteres Studium.

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Glaubenslehre

Was bedeutet orthodoxer Glaube? Erfahren Sie mehr über Gebet, Heilige Schriften, Gottesdienstbesuch und das geistliche Leben in der orthodoxen Tradition.

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Deutsche Heilige

Heilige aus deutschen Landen, die in der orthodoxen Kirche verehrt werden — von den Anfängen der ungeteilten Christenheit bis in die Neuzeit.

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Ikonen

Die Ikonenverehrung ist ein wesentlicher Bestandteil des orthodoxen Glaubens. Entdecken Sie die Bedeutung und Symbolik heiliger Bilder.

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Literaturempfehlungen

Empfohlene Bücher, Zeitschriften und nützliche Links rund um den orthodoxen Glauben, die Theologie und das geistliche Leben.

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Kirchenkiosk

In unserem Kirchenkiosk finden Sie Kerzen, Ikonen, Gebetbücher und weitere Artikel für das orthodoxe Glaubensleben.

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Russische Heilige

Heilige aus Russland und dem orthodoxen Osten — von den Kiewer Fürsten bis zu den Neumärtyrern des 20. Jahrhunderts.

Häufige Fragen zum orthodoxen Glauben

Was ist der Unterschied zwischen orthodox und katholisch?

Die orthodoxe und die katholische Kirche haben gemeinsame Wurzeln. Beide kennen die sieben Sakramente, verehren die Heiligen und ihre Reliquien und erkennen die sieben Ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends an. Die Heiligen, die vor der Kirchenspaltung von 1054 lebten, werden in der Regel von beiden Kirchen gemeinsam verehrt.

Die wichtigsten Unterschiede betreffen die Stellung des Papstes, den Filioque-Zusatz im Glaubensbekenntnis sowie einige spätere katholische Glaubenslehren, etwa die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes und der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Die orthodoxe Kirche versteht sich als die ungebrochene Fortsetzung der Kirche der ersten sieben Ökumenischen Konzilien und bewahrt deren Glauben und liturgische Tradition bis heute.

Was ist der Unterschied zwischen orthodox und evangelisch-lutherisch?

Die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche haben gemeinsame christliche Wurzeln. Beide glauben an den dreieinigen Gott und an Jesus Christus als den Erlöser der Welt. Beide gründen ihren Glauben auf die Heilige Schrift und taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die wichtigsten Unterschiede betreffen das Verständnis der Kirche und ihrer Tradition. Die orthodoxe Kirche sieht die Heilige Schrift und die Heilige Überlieferung als untrennbare Glaubensquelle und versteht sich als die ungebrochene Fortsetzung der Kirche der ersten Jahrhunderte. Weitere Unterschiede bestehen im Verständnis der Sakramente und des geistlichen Amtes sowie in der Verehrung der Heiligen und der Ikonen. Während die orthodoxe Kirche sieben Sakramente kennt und die apostolische Sukzession des Bischofsamtes bewahrt, erkennen die evangelischen Kirchen in der Regel nur Taufe und Abendmahl als Sakramente an.

In welcher Sprache findet der Gottesdienst in Würzburg statt?

In der Würzburger Gemeinde werden die Gottesdienste in zwei Sprachen gefeiert: Kirchenslawisch (die liturgische Sprache der russisch-orthodoxen Kirche) und Deutsch. Lesungen aus der Heiligen Schrift werden zweisprachig vorgetragen, die Sprache der Gesänge und Gebete wechselt im Laufe des Gottesdienstes.

Darf ich als Nicht-Orthodoxer einen Gottesdienst besuchen?

Ja, herzlich willkommen! Jeder Mensch — unabhängig von Konfession oder Glauben — darf an allen unseren Gottesdiensten teilnehmen. Es gibt keine Anmeldung, keine Eintrittskosten und keine Pflicht, an einer bestimmten Stelle teilzunehmen. Die einzige Einschränkung betrifft das Sakrament der Eucharistie (heilige Kommunion), das orthodoxen Gläubigen vorbehalten ist.

Wie verhalte ich mich beim ersten Kirchenbesuch?

Sie sind bei uns willkommen – auch wenn Sie noch nie eine orthodoxe Kirche besucht haben. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Beobachten Sie einfach den Gottesdienst und fühlen Sie sich frei, mitzubeten oder einfach zuzuhören. Während des Gottesdienstes stehen die meisten Besucher, Sitzplätze sind jedoch vorhanden. Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns gerne nach dem Gottesdienst an – wir freuen uns, Sie kennenzulernen.

Wann ist orthodoxes Ostern und warum unterscheidet sich der Termin von dem der katholischen bzw. evangelischen Kirche?

Das orthodoxe Osterfest wird nach den Beschlüssen des Ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa (325) berechnet. Da die orthodoxe Kirche dafür den julianischen Kalender verwendet, während die katholische Kirche dem gregorianischen Kalender folgt, fallen die Ostertermine häufig auf unterschiedliche Sonntage. In manchen Jahren feiern jedoch beide Kirchen Ostern am selben Tag. Das Osterfest ist das wichtigste Fest des Kirchenjahres und steht im Mittelpunkt des orthodoxen Glaubens.

Die kommenden Termine im Überblick, in Klammern jeweils das westliche Osterfest:

  • 2027: 2. Mai (westlich 28. März)
  • 2028: 16. April (gemeinsam mit der westlichen Kirche)
  • 2029: 8. April (westlich 1. April)
  • 2030: 28. April (westlich 21. April)
  • 2031: 13. April (gemeinsam mit der westlichen Kirche)
Was bedeutet Fasten in der orthodoxen Kirche?

Fasten hat in der orthodoxen Kirche eine geistliche Bedeutung. Es soll helfen, den Glauben und die Spiritualität zu vertiefen, bewusster zu leben und sich Gott zuzuwenden. Deshalb umfasst das Fasten nicht nur den Verzicht auf bestimmte Speisen, sondern auch Gebet, Nächstenliebe und Versöhnung. Im Kirchenjahr gibt es mehrere Fastenzeiten; die bekannteste und wichtigste ist die Große Fastenzeit vor Ostern. Wie streng jemand fastet, hängt nicht zuletzt von den persönlichen Möglichkeiten und der Empfehlung des Seelsorgers ab.

Wie wird man Mitglied der orthodoxen Kirche?

Mitglied der orthodoxen Kirche wird man in der Regel durch die Taufe oder – bei Christen aus anderen Konfessionen – durch einen geeigneten Aufnahmeritus. Wichtig ist dabei die persönliche Entscheidung, sich mit dem orthodoxen Glauben zu befassen und am geistlichen Leben der Kirche teilzunehmen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, den Glauben besser kennenzulernen und in die kirchliche Gemeinschaft hineinzuwachsen. Wir bieten dafür Glaubensunterweisung für alle Interessenten an. Wenn Sie darüber nachdenken, orthodox zu werden, sprechen Sie bitte den Priester unserer Gemeinde an.

Wie läuft eine orthodoxe Beichte ab?

Die Beichte ist in der orthodoxen Kirche das Sakrament der Versöhnung mit Gott und dem Nächsten. Sie dient dazu, Vergebung für die eigenen Verfehlungen zu empfangen und einen neuen Anfang im geistlichen Leben zu machen. Vor der Beichte bereitet man sich im Gebet und Fasten vor, prüft das eigene Gewissen. Die eigentliche Beichte findet im Beisein des Priesters statt, der zuhört, geistlichen Rat gibt und Gott um Vergebung der Sünden bittet.

Gibt es deutsche orthodoxe Heilige?

Ja. In der orthodoxen Kirche werden auch Heilige aus den Ländern des heutigen Deutschlands verehrt – Heilige der ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends, also vor der Kirchenspaltung von 1054. Dazu gehören zum Beispiel der heilige Kilian und seine Gefährten, die als Missionare in Franken wirkten und besonders mit Würzburg verbunden sind. Ebenfalls der heilige Bonifatius, der als „Apostel der Deutschen“ gilt, sowie der heilige Burchard von Würzburg, der erste Bischof unserer Stadt. Auch weitere frühe Heilige aus dem westlichen Europa werden in der orthodoxen Tradition verehrt. Diese Heiligen gehören zum gemeinsamen geistlichen Erbe der alten Kirche, das sowohl von der orthodoxen als auch von der katholischen Kirche bewahrt wird.