Häufige Fragen zum orthodoxen Glauben
Was ist der Unterschied zwischen orthodox und katholisch?
Die orthodoxe und die katholische Kirche haben gemeinsame Wurzeln. Beide kennen die sieben Sakramente, verehren die Heiligen und ihre Reliquien und erkennen die sieben Ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends an. Die Heiligen, die vor der Kirchenspaltung von 1054 lebten, werden in der Regel von beiden Kirchen gemeinsam verehrt.
Die wichtigsten Unterschiede betreffen die Stellung des Papstes, den Filioque-Zusatz im Glaubensbekenntnis sowie einige spätere katholische Glaubenslehren, etwa die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes und der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Die orthodoxe Kirche versteht sich als die ungebrochene Fortsetzung der Kirche der ersten sieben Ökumenischen Konzilien und bewahrt deren Glauben und liturgische Tradition bis heute.
Was ist der Unterschied zwischen orthodox und evangelisch-lutherisch?
Die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche haben gemeinsame christliche Wurzeln. Beide glauben an den dreieinigen Gott und an Jesus Christus als den Erlöser der Welt. Beide gründen ihren Glauben auf die Heilige Schrift und taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die wichtigsten Unterschiede betreffen das Verständnis der Kirche und ihrer Tradition. Die orthodoxe Kirche sieht die Heilige Schrift und die Heilige Überlieferung als untrennbare Glaubensquelle und versteht sich als die ungebrochene Fortsetzung der Kirche der ersten Jahrhunderte. Weitere Unterschiede bestehen im Verständnis der Sakramente und des geistlichen Amtes sowie in der Verehrung der Heiligen und der Ikonen. Während die orthodoxe Kirche sieben Sakramente kennt und die apostolische Sukzession des Bischofsamtes bewahrt, erkennen die evangelischen Kirchen in der Regel nur Taufe und Abendmahl als Sakramente an.
In welcher Sprache findet der Gottesdienst in Würzburg statt?
In der Würzburger Gemeinde werden die Gottesdienste in zwei Sprachen gefeiert: Kirchenslawisch (die liturgische Sprache der russisch-orthodoxen Kirche) und Deutsch. Lesungen aus der Heiligen Schrift werden zweisprachig vorgetragen, die Sprache der Gesänge und Gebete wechselt im Laufe des Gottesdienstes.
Darf ich als Nicht-Orthodoxer einen Gottesdienst besuchen?
Ja, herzlich willkommen! Jeder Mensch — unabhängig von Konfession oder Glauben — darf an allen unseren Gottesdiensten teilnehmen. Es gibt keine Anmeldung, keine Eintrittskosten und keine Pflicht, an einer bestimmten Stelle teilzunehmen. Die einzige Einschränkung betrifft das Sakrament der Eucharistie (heilige Kommunion), das orthodoxen Gläubigen vorbehalten ist.
Wie verhalte ich mich beim ersten Kirchenbesuch?
Sie sind bei uns willkommen – auch wenn Sie noch nie eine orthodoxe Kirche besucht haben. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Beobachten Sie einfach den Gottesdienst und fühlen Sie sich frei, mitzubeten oder einfach zuzuhören. Während des Gottesdienstes stehen die meisten Besucher, Sitzplätze sind jedoch vorhanden. Wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie uns gerne nach dem Gottesdienst an – wir freuen uns, Sie kennenzulernen.
Wann ist orthodoxes Ostern und warum unterscheidet sich der Termin von dem der katholischen bzw. evangelischen Kirche?
Das orthodoxe Osterfest wird nach den Beschlüssen des Ersten Ökumenischen Konzils von Nicäa (325) berechnet. Da die orthodoxe Kirche dafür den julianischen Kalender verwendet, während die katholische Kirche dem gregorianischen Kalender folgt, fallen die Ostertermine häufig auf unterschiedliche Sonntage. In manchen Jahren feiern jedoch beide Kirchen Ostern am selben Tag. Das Osterfest ist das wichtigste Fest des Kirchenjahres und steht im Mittelpunkt des orthodoxen Glaubens.
Die kommenden Termine im Überblick, in Klammern jeweils das westliche Osterfest:
- 2027: 2. Mai (westlich 28. März)
- 2028: 16. April (gemeinsam mit der westlichen Kirche)
- 2029: 8. April (westlich 1. April)
- 2030: 28. April (westlich 21. April)
- 2031: 13. April (gemeinsam mit der westlichen Kirche)
Was bedeutet Fasten in der orthodoxen Kirche?
Fasten hat in der orthodoxen Kirche eine geistliche Bedeutung. Es soll helfen, den Glauben und die Spiritualität zu vertiefen, bewusster zu leben und sich Gott zuzuwenden. Deshalb umfasst das Fasten nicht nur den Verzicht auf bestimmte Speisen, sondern auch Gebet, Nächstenliebe und Versöhnung. Im Kirchenjahr gibt es mehrere Fastenzeiten; die bekannteste und wichtigste ist die Große Fastenzeit vor Ostern. Wie streng jemand fastet, hängt nicht zuletzt von den persönlichen Möglichkeiten und der Empfehlung des Seelsorgers ab.
Wie wird man Mitglied der orthodoxen Kirche?
Mitglied der orthodoxen Kirche wird man in der Regel durch die Taufe oder – bei Christen aus anderen Konfessionen – durch einen geeigneten Aufnahmeritus. Wichtig ist dabei die persönliche Entscheidung, sich mit dem orthodoxen Glauben zu befassen und am geistlichen Leben der Kirche teilzunehmen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, den Glauben besser kennenzulernen und in die kirchliche Gemeinschaft hineinzuwachsen. Wir bieten dafür Glaubensunterweisung für alle Interessenten an. Wenn Sie darüber nachdenken, orthodox zu werden, sprechen Sie bitte den Priester unserer Gemeinde an.
Wie läuft eine orthodoxe Beichte ab?
Die Beichte ist in der orthodoxen Kirche das Sakrament der Versöhnung mit Gott und dem Nächsten. Sie dient dazu, Vergebung für die eigenen Verfehlungen zu empfangen und einen neuen Anfang im geistlichen Leben zu machen. Vor der Beichte bereitet man sich im Gebet und Fasten vor, prüft das eigene Gewissen. Die eigentliche Beichte findet im Beisein des Priesters statt, der zuhört, geistlichen Rat gibt und Gott um Vergebung der Sünden bittet.
Gibt es deutsche orthodoxe Heilige?
Ja. In der orthodoxen Kirche werden auch Heilige aus den Ländern des heutigen Deutschlands verehrt – Heilige der ungeteilten Kirche des ersten Jahrtausends, also vor der Kirchenspaltung von 1054. Dazu gehören zum Beispiel der heilige Kilian und seine Gefährten, die als Missionare in Franken wirkten und besonders mit Würzburg verbunden sind. Ebenfalls der heilige Bonifatius, der als „Apostel der Deutschen“ gilt, sowie der heilige Burchard von Würzburg, der erste Bischof unserer Stadt. Auch weitere frühe Heilige aus dem westlichen Europa werden in der orthodoxen Tradition verehrt. Diese Heiligen gehören zum gemeinsamen geistlichen Erbe der alten Kirche, das sowohl von der orthodoxen als auch von der katholischen Kirche bewahrt wird.











