Glaube
ORTHODOXER KALENDER
Kirchenkalender
Unser Glaube

Was ist der orthodoxe Glaube?
Das Christentum ist die einzige Religion, die nicht von Menschen erdacht, sondern von Gott selbst vermittelt wurde. Im Zentrum steht nicht eine abstrakte Lehre, sondern eine lebendige Person: Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, der in die Welt als Erlöser für alle Menschen gekommen ist. Die orthodoxe Kirche bewahrt diesen Glauben in seiner ursprünglichen, unveränderten Form — so, wie ihn die Apostel empfangen und weitergegeben haben.
Der orthodoxe Glaube gründet sich auf dem Bekenntnis zum Dreieinigen Gott — Vater, Sohn und Heiliger Geist — und auf der Überzeugung, dass Gott kein fernes, unpersönliches Wesen ist, sondern sich dem Menschen in Liebe zuwendet. Neben Allmacht, Allwissenheit, Allgüte und Ewigkeit wird auch Liebe als Gottesprädikat verstanden. „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1 Joh 4,16).
Die Orthodoxie versteht sich als die eine, heilige, katholische (gr. Καθολικός, d.h. die ganze Oikumene umfassende) und apostolische Kirche. Diese Formel wurde im Nicaeno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis niedergelegt. Die Kirchenlehre wurde auf den sieben Ökumenischen Konzilien (4.–8. Jahrhundert) verbindlich formuliert und wird bis heute unverändert bewahrt — nicht als starrer Formalismus, sondern als lebendiges Wirken des Heiligen Geistes durch die Jahrhunderte.
Die christliche Lehre lässt sich in einer Formel von Athanasios dem Großen zusammenfassen: „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde.“ Gemeint ist hier die Möglichkeit einer Vergöttlichung (Theosis), der Teilhabe an Gottes Leben. Der heilige Johannes Chrysostomus hat diesen Gedanken auf die Formel gebracht: „Durch die Teilnahme an Gott wird der Mensch durch Gnade, was Christus durch Natur ist.

Jesus Christus — Gott und Mensch
Im Mittelpunkt des orthodoxen Glaubens steht Jesus Christus — wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Jesus Christus, die zweite Hypostase Gottes, ist tatsächlich Mensch geworden, um die Menschheit zu retten. Er ist nicht nur ein weiser Lehrer oder moralisches Vorbild, sondern der fleischgewordene Sohn Gottes, der in die Welt kam, um die Menschheit zu erlösen. „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30) — in Christus begegnet uns Gott selbst.
Im Laufe der Zeit, als sich der orthodoxe Glaube ausbreitete, tauchten Fragen auf, wie man die Person Christi richtig verstehen soll. Antworten darauf boten die Ökumenischen Konzilien. Das 4. Ökumenische Konzil von Chalkedon (451) hat die Lehre von den zwei Naturen Christi verbindlich formuliert: In der einen Person Jesu Christi sind die göttliche und die menschliche Natur „unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert“ vereint. Das 6. Ökumenische Konzil bestätigte, dass Christus zwei natürliche Willen und Energien besitzt, wobei der menschliche Wille dem göttlichen freiwillig folgt.
Christus hat freiwillig für uns gelitten und ist am Kreuz gestorben — nicht weil er dazu gezwungen wurde, sondern aus Liebe zu den Menschen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod besiegt und uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet. Die Erlösung ist das Herzstück des christlichen Glaubens: Gott selbst wird Mensch, um den Menschen zu Gott zu erheben.

Moral und geistige Praktiken vs. Leben in Christus
Viele Menschen fragen sich: Genügt es nicht, einfach ein guter Mensch zu sein, um Gott im Herzen zu haben und gerettet zu werden? Die orthodoxe Antwort ist klar: Moral ist wichtig, aber sie allein führt nicht zum Heil. Moral und Sittlichkeit regeln das Zusammenleben in der Gesellschaft. Das Leben in Christus hingegen ist die lebendige Beziehung des Menschen zu Gott, die über das Irdische hinausweist.
Das sittliche Ideal des Christen ist nicht ein abstraktes Regelwerk, sondern eine Person: der Gottmensch Jesus Christus selbst. Die „Goldene Regel“ — „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen“ (Mt 7,12) — ist Ausdruck dieser lebendigen Nachfolge. Die orthodoxe Reflexion im Neuen Testament und in den Schriftwerken der Heiligen zeigt uns: Kein Mensch ist ohne Sünde — „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst“ (1 Joh 1,8).
Je näher ein Mensch Gott kommt, desto tiefer erkennt er seine eigene Unvollkommenheit. Dies soll uns nicht entmutigen oder verzweifeln lassen. Durch die Gnade Gottes erheben wir uns über unseren Zustand der Sündigkeit und Unvollkommenheit. Die Kirche bietet in ihren Sakramenten — besonders in der Beichte — die Mittel, durch die Gott den Menschen erneuert und verwandelt. Die Eucharistie, das größte Sakrament der Kirche, in der die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut des Herrn vollzogen wird, bildet die lebendige Mitte des Glaubenslebens. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten gehören dabei untrennbar zusammen: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht“ (1 Joh 4,20).

Überlieferung und die Heilige Schrift
Der orthodoxe Glaube ruht auf zwei Säulen: der Heiligen Überlieferung und der Heiligen Schrift. Die Bibel — das Wort Gottes — umfasst 77 Bücher des Alten und Neuen Testaments. Doch die Schrift entstand nicht im luftleeren Raum: Sie wurde in der Kirche geschrieben, von der Kirche kanonisiert und wird in der Kirche ausgelegt.
Die Heilige Überlieferung ist die älteste Form der Bewahrung göttlicher Offenbarung — sie ging der Niederschrift der biblischen Bücher voraus. Christus lehrte die Apostel durch Wort, Tat und Vorbild; erst später wurde ein Teil dieses Wissens schriftlich festgehalten. Die Apostel selbst mahnten: „Steht fest und haltet an den Überlieferungen, in denen ihr unterwiesen worden seid“ (2 Thess 2,15).
Die Dogmen der Kirche — formuliert auf den Ökumenischen Konzilien — sind keine Fesseln des Verstandes, sondern Leitplanken, die den Glauben vor Verfälschung schützen. Sie haben keinen neuen Glauben geschaffen, sondern dem bestehenden eine präzise Sprache gegeben. Ohne Dogmen verliert die christliche Moral ihr Fundament — so wie Gesetze ihren Grund verlieren, wenn die Verfassung missachtet wird.

Der Weg des orthodoxen Christen
Orthodoxer Glaube ist kein theoretisches Wissen, sondern ein Weg — ein tägliches Leben in Gebet, Fasten, Nächstenliebe und der Teilnahme an den Sakramenten der Kirche. Während der Göttlichen Liturgie feiert die Gemeinde die Eucharistie, die Vereinigung mit Christus selbst. Das Gebet begleitet den Gläubigen morgens und abends, und das Fasten stärkt den Willen auf dem Weg zu Gott.
Die orthodoxe Kirche kennt sieben heilige Sakramente (Mysterien): Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Beichte, Priesterweihe, Ehe und Krankensalbung. In diesen Mysterien wirkt die Gnade Gottes unmittelbar im Leben der Gläubigen. Die Kirche nennt man Leib Christi — sie ist weniger eine menschliche Organisation als ein göttlich-menschlicher Organismus, in dem jedes Glied seinen Platz hat.
Auf den folgenden Seiten können Sie tiefer in einzelne Bereiche des orthodoxen Glaubens eintauchen: von der Glaubenslehre über die Heiligen und die Bedeutung der Ikonen bis hin zu Literaturempfehlungen für Ihr weiteres Studium.

Glaubenslehre
Was bedeutet orthodoxer Glaube? Erfahren Sie mehr über Gebet, Heilige Schriften, Gottesdienstbesuch und das geistliche Leben in der orthodoxen Tradition.

Deutsche Heilige
Heilige aus deutschen Landen, die in der orthodoxen Kirche verehrt werden — von den Anfängen der ungeteilten Christenheit bis in die Neuzeit.

Ikonen
Die Ikonenverehrung ist ein wesentlicher Bestandteil des orthodoxen Glaubens. Entdecken Sie die Bedeutung und Symbolik heiliger Bilder.

Literaturempfehlungen
Empfohlene Bücher, Zeitschriften und nützliche Links rund um den orthodoxen Glauben, die Theologie und das geistliche Leben.

Kirchenkiosk
In unserem Kirchenkiosk finden Sie Kerzen, Ikonen, Gebetbücher und weitere Artikel für das orthodoxe Glaubensleben.

Russische Heilige
Heilige aus Russland und dem orthodoxen Osten — von den Kiewer Fürsten bis zu den Neumärtyrern des 20. Jahrhunderts.
