Ikonenwand aus Ikonen der Heiligen: oben Sergij von Radonesch, die Gottesmutter von Kasan, Nikolaus der Wundertäter und Seraphim von Sarow, unten Matrona von Moskau, die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan, Olga und Vladimir und Xenia von Petersburg

Unser Glaube · Von Kilian bis Seraphim

Heilige und Ikonen

Heilige sind Menschen, in deren Leben Gottes Liebe sichtbar geworden ist: Apostel und Märtyrer, Mönche und Fürstinnen, Ärzte und Mütter. Orthodoxe Christen beten allein Gott an. Die Heiligen verehren sie als Freunde Gottes, bitten sie um ihr Gebet und ehren ihre Ikonen, denn die Ehre, die man dem Bild erweist, gilt der Person, die es zeigt. Hier finden Sie die Heiligen unserer Stadt Würzburg, die in der russischen Kirche besonders verehrten Heiligen und eine kurze Einführung in die Ikonen.

Heilige in Würzburg und Franken: Kilian, Kolonat, Totnan, Burkard

Würzburg ist die Stadt des heiligen Kilian. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts kam der irische Mönchsbischof mit dem Priester Kolonat und dem Diakon Totnan nach Franken und predigte am Hof des Herzogs Gozbert in Würzburg das Evangelium. Der Herzog ließ sich taufen, mit ihm viele seiner Leute. Als Kilian ihm sagte, dass seine Ehe mit Geilana, der Witwe seines Bruders, dem Gebot der Kirche widersprach, ließ Geilana die drei Missionare ermorden, während der Herzog auf einem Feldzug war. Der Überlieferung nach war das im Jahr 689. Man verscharrte sie heimlich; der Überlieferung nach steht an dieser Stelle heute das Neumünster neben dem Dom. Seitdem heißen Kilian, Kolonat und Totnan die Frankenapostel, und Kilian ist der Schutzpatron von Stadt und Bistum Würzburg.

  • Gedenktag der Frankenapostel: 21. Juli
  • Gestorben: 689 in Würzburg
Steinfigur des heiligen Kilian auf der Alten Mainbrücke in Würzburg
Kilian
Steinfigur des heiligen Kolonat auf der Alten Mainbrücke in Würzburg
Kolonat
Steinfigur des heiligen Totnan auf der Alten Mainbrücke in Würzburg
Totnan

Kilian, Kolonat und Totnan auf der Alten Mainbrücke in Würzburg. Fotos: Bbb (Ausschnitte), CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons (Kilian, Kolonat, Totnan)

Warum auch die orthodoxe Kirche sie verehrt

Kilian und seine Gefährten lebten Jahrhunderte vor der Trennung von Ost und West im Jahr 1054. Damals waren Rom und Konstantinopel noch eine Kirche mit einem Glauben. Die Heiligen jener Zeit gehören deshalb allen Christen, und orthodoxe Gemeinden in Deutschland ehren sie als die Heiligen ihres Landes. Für uns sind die Frankenapostel die Heiligen unserer Stadt: Unsere Gemeinde begeht ihren Gedenktag am 21. Juli.

Der heilige Burkard, erster Bischof von Würzburg

Burkard kam als Mönch aus England und wurde ein Mitarbeiter des heiligen Bonifatius. Im Jahr 742 weihte ihn Bonifatius zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums Würzburg. Burkard ließ die Gebeine der Frankenapostel erheben und würdig beisetzen und legte damit den Grund für ihre Verehrung, die bis heute lebt. Die Kirche St. Burkard am linken Mainufer trägt seinen Namen.

  • Lebenszeit: 8. Jahrhundert, Bischof seit 742
  • Gedenktag: 27. Oktober
Der heilige Bonifatius, Apostel der Deutschen

Bonifatius (um 673 bis 754), eigentlich Wynfreth, war ein angelsächsischer Mönch aus Wessex. Er predigte in Hessen und Thüringen, fällte bei Geismar die Donareiche, ein Heiligtum der Heiden, und gründete Bistümer, darunter 742 Würzburg, und das Kloster Fulda. Im hohen Alter zog er noch einmal als Missionar zu den Friesen und starb 754 bei Dokkum als Märtyrer. Sein Grab ist im Dom zu Fulda. Gedenktag: 18. Juni.

Die heilige Lioba von Tauberbischofsheim

Lioba (um 710 bis 782) kam als angelsächsische Nonne nach Deutschland, gerufen von ihrem Verwandten Bonifatius. Er setzte sie als Äbtissin in Tauberbischofsheim ein, nicht weit von Würzburg. Sie kannte die Heilige Schrift und die Kirchenväter gut, bildete Nonnen aus, die später selbst Klöster leiteten, und war mit Königin Hildegard, der Frau Karls des Großen, befreundet. Ihr Grab ist auf dem Petersberg bei Fulda. Gedenktag: 11. Oktober.

Die heilige Ursula von Köln

Nach der Überlieferung war Ursula eine Königstochter aus Britannien, die mit vielen Gefährtinnen nach Rom pilgerte und auf dem Rückweg in Köln als Märtyrerin starb, weil sie ihren Glauben nicht verleugnen wollte. Schon eine Inschrift aus spätrömischer Zeit in der Kölner Kirche St. Ursula erinnert an Jungfrauen, die dort für Christus starben. Die Kirche ehrt in Ursula eine Heilige der ungeteilten Kirche. Gedenktag: 3. November.

Ikone der heiligen Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan: in der Mitte Kilian als Bischof, neben ihm der Priester Kolonat und der Diakon Totnan
Ikone des heiligen Burkard, des ersten Bischofs von Würzburg, mit dem Evangelienbuch

Besonders verehrte Heilige der russischen Kirche

Sechs Heilige, deren Ikonen in fast jeder russisch-orthodoxen Kirche und in vielen Häusern hängen. Ein Klick auf die Ikone öffnet ihr Leben in Kürze.

Ikone des heiligen Nikolaus: ein Bischof mit kurzem grauem Bart und hoher Stirn, über den Schultern das weiße Omophorion mit Kreuzen; die rechte Hand segnet, die linke hält das Evangelienbuch

Erzbischof von Myra in Lykien

Lebenszeit:
gestorben um 345
Gedenktage:
19. Dezember und 22. Mai

Heiliger Nikolaus der Wundertäter

Erzbischof von Myra in Lykien

Lebenszeit:
gestorben um 345
Gedenktage:
19. Dezember und 22. Mai

Nikolaus war Bischof von Myra an der Südküste Kleinasiens, in der heutigen Türkei. Schon zu Lebzeiten nannten ihn die Menschen einen Vater der Armen. Die bekannteste Überlieferung erzählt, wie er nachts heimlich Gold in das Haus eines verarmten Mannes warf, damit dessen drei Töchter heiraten konnten und nicht ins Elend gerieten. Er bewahrte unschuldig Verurteilte vor dem Schwert, stand Seeleuten im Sturm bei und blieb in der Christenverfolgung seinem Herrn treu. 1087 brachten Seefahrer aus Bari seine Gebeine in ihre Stadt; daran erinnert der Gedenktag im Mai. In Russland gibt es kaum eine Kirche ohne seine Ikone, in Deutschland kennt ihn jedes Kind. Kaum ein Heiliger verbindet Ost und West so sehr wie er.

Viele Gläubige bitten ihn um Fürsprache für Reisende, für Kinder und für alle, die in Not geraten sind.

Ikone der heiligen Matrona von Moskau: eine kleine Frau in dunklem Kleid und Kopftuch mit geschlossenen Augen, die rechte Hand zum Segen erhoben, um das Haupt ein goldener Heiligenschein

Beterin und Trösterin in schwerer Zeit

Lebenszeit:
1881 bis 1952
Gedenktag:
2. Mai

Heilige Matrona von Moskau

Beterin und Trösterin in schwerer Zeit

Lebenszeit:
1881 bis 1952
Gedenktag:
2. Mai

Matrona Nikonowa kam in einem Dorf bei Tula blind zur Welt, als Kind armer Bauern. Mit siebzehn Jahren konnte sie auch nicht mehr gehen. Doch schon früh suchten Menschen bei ihr Gebet und Rat. Ab 1925 lebte sie in Moskau, ohne eigene Wohnung, mal bei diesen, mal bei jenen Bekannten, oft in Gefahr, verhaftet zu werden. Tag für Tag kamen Menschen mit Krankheit, Kummer und Not zu ihr. Sie betete mit ihnen, tröstete sie und schickte sie in die Kirche: zur Beichte, zur Kommunion, zum Gebet. Sie starb 1952. Seit 1998 ruhen ihre Reliquien im Moskauer Pokrowski-Kloster, und bis heute warten dort jeden Tag viele Menschen in langen Reihen, um an ihrem Schrein zu beten.

Viele Gläubige bitten sie um Fürsprache in Krankheit, in Sorgen um die Familie und in Lagen, in denen sie keinen Ausweg mehr sehen.

Ikone des heiligen Seraphim von Sarow: ein alter Mönch mit weißem Haar und Bart in hellem Gewand kniet betend auf einem Stein, hinter ihm Tannenwald

Mönch und Starez

Lebenszeit:
1754 bis 1833
Gedenktage:
15. Januar und 1. August

Heiliger Seraphim von Sarow

Mönch und Starez

Lebenszeit:
1754 bis 1833
Gedenktage:
15. Januar und 1. August

Prochor Moschnin, Sohn einer Kaufmannsfamilie aus Kursk, trat als junger Mann in das Kloster von Sarow ein und erhielt den Namen Seraphim. Jahrelang lebte er allein in einer Hütte im Wald. Der Überlieferung nach betete er tausend Nächte auf einem Stein, und Räubern, die ihn fast zu Tode geschlagen hatten, vergab er. Nach langen Jahren des Schweigens öffnete er seine Zellentür für alle, die kamen, und begrüßte jeden mit den Worten: „Meine Freude, Christus ist auferstanden!“ Einem Besucher erklärte er, das Ziel des christlichen Lebens sei der Erwerb des Heiligen Geistes. Er begleitete die Schwestern des Klosters Diwejewo. 1903 wurde er heiliggesprochen.

Viele Gläubige bitten ihn um Fürsprache in Krankheit und um Frieden im Herzen.

Ikone des heiligen Sergij von Radonesch: ein Mönch mit langem grauem Bart in dunklem Mönchsgewand, die rechte Hand segnend erhoben, in der linken eine Schriftrolle, im Hintergrund die weißen Mauern eines Klosters

Gründer des Dreifaltigkeitsklosters

Lebenszeit:
1314 bis 1392
Gedenktage:
8. Oktober und 18. Juli

Heiliger Sergij von Radonesch

Gründer des Dreifaltigkeitsklosters

Lebenszeit:
1314 bis 1392
Gedenktage:
8. Oktober und 18. Juli

Als Kind hieß er Bartholomäus und tat sich mit dem Lesen schwer, bis ihn ein alter Mönch segnete. Als junger Mann zog er mit seinem Bruder in die Wälder bei Radonesch und baute dort eine kleine Holzkirche, die er der Heiligen Dreifaltigkeit weihte. Um den Einsiedler sammelten sich Brüder, und so entstand das Dreifaltigkeitskloster, das heute in Sergijew Possad bei Moskau steht. Sergij blieb ein einfacher Mönch: Er hackte Holz, trug Wasser, backte Brot und lehnte es ab, Metropolit zu werden. Er versöhnte verfeindete Fürsten, und vor der Schlacht auf dem Kulikowo-Feld 1380 segnete er Fürst Dmitri Donskoi. Seine Schüler gründeten Klöster im ganzen Land.

Viele Gläubige bitten ihn um Fürsprache für Schüler und Studenten beim Lernen und für Frieden in Familie und Gemeinde.

Ikone der heiligen Xenia von Petersburg: eine Frau mit weißem Kopftuch in rotem Männerrock und grünem Rock, auf einen Stab gestützt, im Hintergrund eine Kirche mit Glockenturm

Närrin in Christus

Lebenszeit:
18. Jahrhundert
Gedenktag:
6. Februar

Heilige Xenia von Petersburg

Närrin in Christus

Lebenszeit:
18. Jahrhundert
Gedenktag:
6. Februar

Xenia war jung mit dem Hofsänger Andrej Petrow verheiratet. Als er plötzlich starb, ohne sich auf den Tod vorbereiten zu können, war sie etwa sechsundzwanzig. Sie verschenkte ihr Haus und alles, was sie besaß, zog die Kleidung ihres Mannes an und hörte nur noch auf seinen Namen, als wollte sie sein Leben für ihn zu Ende beten. Jahrzehntelang zog sie arm durch die Straßen von Petersburg, von den einen verspottet, von den anderen geliebt; nachts betete sie unter freiem Himmel. Als auf dem Smolensker Friedhof eine Kirche gebaut wurde, trug sie heimlich in der Nacht Ziegel auf das Gerüst. An ihrem Grab dort beten bis heute viele Menschen. 1988 wurde sie heiliggesprochen.

Viele Gläubige bitten sie um Fürsprache für Ehe und Familie und in Sorgen um Arbeit und Wohnung.

Ikone der heiligen Olga und des heiligen Vladimir: Fürstin und Fürst in prächtigen Gewändern mit Kronen stehen nebeneinander und halten gemeinsam ein großes Kreuz, unter ihnen ein Fluss

Die Taufe der Rus

Lebenszeit:
Olga gestorben 969, Vladimir um 960 bis 1015
Gedenktage:
Olga 24. Juli, Vladimir 28. Juli

Heilige Olga und heiliger Vladimir

Die Taufe der Rus

Lebenszeit:
Olga gestorben 969, Vladimir um 960 bis 1015
Gedenktage:
Olga 24. Juli, Vladimir 28. Juli

Fürstin Olga regierte die Kiever Rus nach dem Tod ihres Mannes Igor, bis ihr Sohn Swjatoslaw erwachsen war. Um 955 ließ sie sich in Konstantinopel taufen und erhielt den Namen Helena. Ihren Sohn konnte sie nicht für Christus gewinnen, doch sie betete für ihr Haus. Ihr Enkel Vladimir war zuerst ein heidnischer Fürst. Er schickte Gesandte in andere Länder, um den wahren Glauben zu finden. Aus der Hagia Sophia in Konstantinopel kamen sie zurück und sagten: „Wir wussten nicht, ob wir im Himmel waren oder auf Erden.“ 988 ließ Vladimir sich taufen, danach die Menschen von Kiev im Dnjepr. Er baute Kirchen, gründete Schulen und sorgte für die Armen. Die Kirche nennt beide apostelgleich.

Viele Gläubige bitten sie um Fürsprache für ihre Familien, besonders dafür, dass der Glaube an Kinder und Enkel weitergegeben wird.

Weitere Heilige im Überblick

Die russische Kirche kennt Tausende Heilige. Hier eine kleine Auswahl, mit ihren Gedenktagen nach dem bürgerlichen Kalender.

Kiever Rus

  • Boris und Gleb (gestorben 1015), 6. August: Söhne des heiligen Vladimir, die lieber den Tod annahmen, als gegen den eigenen Bruder zu kämpfen; die ersten Heiligen der Rus.
  • Antonius vom Kiever Höhlenkloster (gestorben 1073), 23. Juli: brachte das Mönchsleben vom Berg Athos nach Kiev, der Vater des russischen Mönchtums.
  • Theodosius vom Kiever Höhlenkloster (gestorben 1074), 16. Mai: Abt, der das gemeinsame Leben der Mönche ordnete und für Arme und Kranke sorgte.

Russland im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

  • Alexander Newski (um 1221 bis 1263), 6. Dezember und 12. September: Fürst von Nowgorod, ein demütiger und kluger Herrscher, der vor seinem Tod Mönch wurde.
  • Andrej Rubljow (um 1360 bis um 1430), 17. Juli: Mönch und Ikonenmaler, dessen Dreifaltigkeitsikone zu den bekanntesten Ikonen überhaupt gehört.
  • Dimitri von Rostow (1651 bis 1709), 10. November: Metropolit, der die Lebensbeschreibungen der Heiligen für das ganze Kirchenjahr zusammentrug.

18. und 19. Jahrhundert

  • Tichon von Sadonsk (1724 bis 1783), 26. August: Bischof von Woronesch, später Klausner, geistlicher Schriftsteller und Freund der Armen.
  • Paisius Welitschkowski (1722 bis 1794), 28. November: erneuerte das Herzensgebet und übersetzte die Philokalie ins Kirchenslawische.
  • Die Starzen von Optina (19. und frühes 20. Jahrhundert), 24. Oktober: Seelsorger des Klosters Optina, zu denen Menschen aus ganz Russland um Rat kamen, auch Gogol und Dostojewski.
  • Theophan der Klausner (1815 bis 1894), 23. Januar: Bischof, der sich in die Stille zurückzog und in Tausenden Briefen Menschen im geistlichen Leben begleitete.
  • Johannes von Kronstadt (1829 bis 1908), 2. Januar: Priester in Kronstadt, der täglich die Liturgie feierte und sich unermüdlich um die Armen kümmerte.

Neumärtyrer und Heilige des 20. Jahrhunderts

  • Neumärtyrer und Bekenner der Russischen Kirche, am Sonntag um den 7. Februar: Tausende Bischöfe, Priester und Laien, die in der Sowjetzeit für ihren Glauben starben oder litten.
  • Patriarch Tichon (1865 bis 1925), 7. April und 9. Oktober: 1917 der erste Patriarch nach rund zwei Jahrhunderten, der die Kirche durch die Jahre der Verfolgung führte.
  • Großfürstin Elisabeth Fjodorowna (1864 bis 1918), 18. Juli: geborene Prinzessin von Hessen-Darmstadt, gründete in Moskau das Martha-Maria-Kloster der Barmherzigkeit und starb als Märtyrerin.
  • Die Zarenfamilie (gestorben 1918), 17. Juli: Zar Nikolaus II., Zarin Alexandra und ihre fünf Kinder, verehrt als Leidensdulder, weil sie ihren gewaltsamen Tod im Glauben annahmen.
  • Lukas von Simferopol (1877 bis 1961), 11. Juni: Chirurg und Erzbischof, der auch in Haft und Verbannung nicht aufhörte, Kranke zu behandeln und zu predigen.
  • Johannes von Shanghai und San Francisco (1896 bis 1966), 2. Juli: Bischof der russischen Emigration in China, Westeuropa und Amerika, ein Vater der Waisen.

Ikonen: Fenster zum Himmel

Was ist eine Ikone?

Wer eine orthodoxe Kirche betritt, sieht zuerst Ikonen: Christus, die Gottesmutter, die Heiligen und die großen Feste des Kirchenjahres. Eine Ikone ist kein Schmuck und kein Gemälde für die Wand, sondern ein Bild für das Gebet. Ihr Grund ist die Menschwerdung: Den unsichtbaren Gott konnte niemand abbilden. Doch in Jesus Christus ist Gott Mensch geworden und hat ein Gesicht angenommen. Christus ist „Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kolosser 1,15) und sagt: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14,9). Darum darf die Kirche ihn malen.

Ikonen folgen festen Vorbildern. Der Goldgrund steht für das Licht des Reiches Gottes, die Gesichter sind ruhig und gesammelt, und die Linien führen den Blick nicht in die Tiefe des Bildes, sondern zum Betenden hin. Ikonenmaler bereiten sich mit Gebet und Fasten auf ihre Arbeit vor.

Verehrung, nicht Anbetung

Orthodoxe Christen beten keine Bilder an: Anbetung gebührt allein Gott. Die Ikone verehren wir, weil sie zeigt, wen wir lieben. Wer eine Ikone küsst, grüßt Christus, die Gottesmutter oder den Heiligen, nicht Holz und Farbe. Das Siebte Ökumenische Konzil von Nizäa hat 787 mit einem Wort des heiligen Basilius des Großen festgehalten: Die Ehre, die man dem Bild erweist, geht über auf das Urbild. Die Ikone wird also nicht mit dem Dargestellten gleichgesetzt; durch sie richtet sich das Gebet an die Person selbst. An den Sieg über den Bilderstreit erinnert jedes Jahr der Sonntag der Orthodoxie, der erste Sonntag der Großen Fastenzeit.

Wie bete ich vor einer Ikone?

Viele orthodoxe Familien haben zu Hause eine Ikonenecke, wenn möglich an der Ostwand, oft mit einem kleinen Öllicht, der Lampada. Dort betet man morgens und abends: Man stellt sich ruhig hin, bekreuzigt sich, verneigt sich und spricht die Gebete aus dem Gebetbuch oder mit eigenen Worten. Eine „besondere“ Ikone muss man dafür nicht suchen: Gott hört jedes aufrichtige Gebet, und die Heiligen beten mit uns. Eine neue Ikone lässt man üblicherweise vom Priester segnen.

In der Kirche bekreuzigt man sich vor der Ikone zweimal mit einer leichten Verneigung, küsst sie an der Hand oder am Saum des Gewandes und bekreuzigt sich ein drittes Mal. Kerzen für Lebende stellt man vor die Ikonen, für Verstorbene auf den Gedenktisch (Kanun). Mehr dazu unter Kirchenbesuch.

Ikonostase in der Kirche im Zeller Torhaus: links die Gottesmutter, rechts Christus, davor auf dem Pult die Christus-Ikone
Was die Kirche über Ikonen lehrt

Im Alten Testament durfte Gott nicht abgebildet werden, denn niemand hatte ihn gesehen. Seit Gott in Christus sichtbar geworden ist, ist das Bild möglich. Im 8. und 9. Jahrhundert bestritten die Bilderstürmer das und zerstörten viele Ikonen. Der heilige Johannes von Damaskus antwortete ihnen: „Ich verehre nicht die Materie, sondern den Schöpfer der Materie, der um meinetwillen Materie geworden ist.“ Das Siebte Ökumenische Konzil unterschied 787 klar zwischen der Anbetung, die allein Gott gebührt, und der Verehrung, die man der Gottesmutter, den Heiligen, dem Kreuz und den Ikonen erweist. Die Verteidigung der Ikonen war zugleich ein Bekenntnis zur Menschwerdung Christi.

Christus, Gottesmutter, Ikonostase: Ikonen lesen

Christus als Pantokrator (Allherrscher) segnet mit der rechten Hand und hält das Evangelienbuch. Die Gottesmutter erscheint in einigen Grundformen: als Hodegetria (Wegweiserin), die auf das Kind zeigt, als Eleousa (Erbarmerin), die das Kind zärtlich an sich drückt, und als Orante (Betende) mit erhobenen Händen. Die Ikonostase, die Bilderwand vor dem Altarraum, zeigt in der Regel rechts der Königstür Christus und links die Gottesmutter, daneben Johannes den Täufer, den Patron der Kirche, Engel und Heilige. Auf der Königstür sind meist die Verkündigung und die vier Evangelisten zu sehen.

Häufige Fragen

Gibt es deutsche orthodoxe Heilige?

Ja. Viele Heilige, die im ersten Jahrtausend in Deutschland gewirkt haben, lebten vor der Kirchenspaltung von 1054 und werden auch von orthodoxen Christen verehrt: in Würzburg vor allem Kilian, Kolonat, Totnan und Burkard, dazu Bonifatius, Lioba und viele andere. Aus späterer Zeit stammt die heilige Elisabeth Fjodorowna, eine Prinzessin aus Hessen-Darmstadt, die 1918 in Russland als Märtyrerin starb. Mehr unter Heilige in Würzburg und Franken.

Wer war der heilige Kilian, und warum verehren ihn auch Orthodoxe?

Kilian war ein irischer Mönchsbischof, der mit Kolonat und Totnan in Franken das Evangelium predigte und der Überlieferung nach um 689 in Würzburg ermordet wurde. Er lebte in der ungeteilten Kirche, Jahrhunderte vor der Trennung von Ost und West, und ist deshalb auch ein Heiliger der orthodoxen Kirche. Unsere Gemeinde begeht seinen Gedenktag am 21. Juli.

Warum verehren Orthodoxe Heilige?

Weil Gott in ihnen gewirkt hat. Orthodoxe beten allein Gott an. Die Heiligen verehren sie als Vorbilder und Freunde Gottes und bitten sie um ihr Gebet, so wie man Glaubensgeschwister bittet, für einen zu beten. Mehr unter Warum verehren Orthodoxe Heilige?

Warum küssen Orthodoxe Ikonen, und beten sie die Bilder an?

Nein, angebetet wird allein Gott. Der Kuss ist ein Gruß an die Person, die auf der Ikone zu sehen ist, ähnlich wie man das Foto eines geliebten Menschen küsst. Nach der Lehre der Kirche geht die Ehre, die man dem Bild erweist, auf das Urbild über: auf Christus, die Gottesmutter oder den Heiligen. Für Gäste ist der Ikonenkuss freiwillig.

Was ist eine Ikone, und was bedeutet sie?

Eine Ikone ist ein geweihtes Bild von Christus, der Gottesmutter, den Heiligen oder einem Fest, gemalt nach festen Vorbildern und bestimmt für das Gebet. Ikonen gibt es, weil Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist und sich sehen ließ. Mehr unter Ikonen.

Welche Heiligen sind in der russisch-orthodoxen Kirche am wichtigsten?

Eine Rangliste kennt die Kirche nicht. Besonders verehrt werden in der russischen Kirche der heilige Nikolaus, Sergij von Radonesch, Seraphim von Sarow, Xenia von Petersburg, Matrona von Moskau und die Apostelgleichen Olga und Vladimir, dazu viele Ikonen der Gottesmutter. Kurzporträts finden Sie unter Besonders verehrte Heilige der russischen Kirche.

Was ist ein orthodoxer Namenstag, und wann ist der Gedenktag eines Heiligen?

Bei der Taufe erhält jeder orthodoxe Christ den Namen eines Heiligen. Dessen Gedenktag ist sein Namenstag, auf Russisch Imenini. Gibt es mehrere Heilige dieses Namens, feiert man meist den ersten Gedenktag nach dem Geburtstag. Wir nennen alle Gedenktage nach dem bürgerlichen Kalender; im Zweifel fragen Sie Vater Vladimir.

Ist der heilige Nikolaus ein orthodoxer Heiliger?

Ja. Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in Kleinasien. Orthodoxe und Katholiken verehren ihn, und auch evangelische Christen kennen und lieben ihn. In Deutschland feiert man ihn am 6. Dezember, unsere Gemeinde am 19. Dezember, weil die russische Kirche ihre Feste nach dem julianischen Kalender begeht. Ein zweiter Gedenktag ist der 22. Mai.

„Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt.“

Hebräer 12,1

Möchten Sie mehr über die Heiligen erfahren oder eine Ikone für zu Hause segnen lassen? Sprechen Sie Vater Vladimir nach dem Gottesdienst an oder schreiben Sie uns über die Seite Kontakt. Was wir glauben und wann die Feste des Kirchenjahres sind, lesen Sie unter Orthodoxer Glaube.